So war es in 2015

Vom Flüchtling zum Mitbürger II.
Sonntag, 22. November 2015



In Zeiten, in denen Brandsätze auf Notunterkünfte fliegen, in denen Leute unverhohlen rassistische und verachtende Aussagen in jede Kamera brüllen, ist es umso wichtiger sich nicht nur dagegenzustellen, auch neue Ideen und Herangehensweisen für ein gemeinsames Leben sind gefragt.
Politische Diskussionen, juristische Auseinandersetzungen sind die eine Seite.

Doch ein humanitärer Blick auf Menschen, die in Not sind fordert ein humanitäres Handeln.
Was ist möglich? Was ist sinnvoll?
Vielen Dank an alle Beteiligten des heutigen Abends.



Zum Programm:
Das Theaterprojekt Open Minds führt das Schicksal, aber auch die Ansätze der eigenen Integration auf der Bühne auf. Die sechs SchauspielerInnen mußten selbst fliehen und präsentieren ihre Lebensgeschichte auf der Bühne. Sie teilen ihre Ängste, Erlebnisse, Hoffnungen und Erkenntnisse und nehmen das Publikum mit auf eine Reise hinter das absurde Wort "Flüchtling".

One Step Ahead
ist ein Musikprojekt aus Steilshoop (Hamburg) in dem junge Menschen mit Migrationshintergrund durch Musik  ihre Gefühle und Erfahrungen zum Ausdruck bringen. Das ihnen das auf mitreißende Art gelingt, merkt man sowohl auf als auch vor der Bühne.

Das Filmprojekt „Von Afrika nach Glinde“ beschäftigt sich mit der Flucht der „Lampedusa-Flüchtlinge“, die im Jahr 2013 von der Islamischen Gemeinde Glinde in der Moschee versteckt wurden. Die Produzenten (Jugendliche aus den JUZ Reinbek) berichten auf der Bühne von ihren Erfahrungen im Umgang mit diesen Menschen. Bewegend und horizonterweiternd.

Das Projekt „Heimat - mehr als ein Wort“ ist eine Auseinandersetzung der Grundschulen aus Glinde und Reinbek mit dem Thema Flucht und Heimat. Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2015“ entstand eine Wanderausstellung, die auch auf dieser Veranstaltung präsentiert wird. Unbedingt sehenswert.

Währenddessen und auch anschließend bleibt Zeit für Dialog und Austausch.


MenschDenkMal
9.November 2015
Glinder Marktplatz
„Ihr sollt euch eine Gesellschaft ohne Angst bauen, ohne Hass, eine Gesellschaft, in der sich jeder damit beschäftigen darf, was er am besten kann.“ - Eva Pusztai, Auschwitzüberlebende

1938/ 2015 - zwei Jahre, die eins verbindet:
wieder brennen Häuser, Menschen benutzen den Begriff Angst, um ihre verächtlichen, abwertenden Parolen zu verbreiten und stoßen damit auch auf Akzeptanz, wiederum andere setzen sich mit hohem Engagement mal laut, mal leise für einen würdigen, respektvollen Umgang miteinander ein, sie leisten Widerstand - einige für sich, viele auch zusammen.

Die Lage ist nicht neu. Rassismus, Ausgrenzung, Nationalismus waren auch nach 1945 immer Teil dieser Gesellschaft.
Doch wurden sie über lange Zeit gedanklich an die Ränder verfrachtet.
Nun sollte aber auch dem Letzten der Blick geöffnet sein.
Hetze, Aufrufe zum Mord, tätliche Angriffe treten immer offener zu Tage, begründet in den meisten Fällen mit Angst.
Angst, die auf Nachfrage nicht näher definiert wird, Angst, die sich auch konkreten Fakten widersetzt, Angst, die instrumentalisiert wird, um seine grundeigene Menschenverachtung herausschreien zu dürfen und auch noch Beifall zu erhaschen.
Begegnet wird dem seitens der Politik häufig mit Sprachlosigkeit, seitens der Justiz mit Untätigkeit.
In diesem Land müssen derzeit tatsächlich nur die Menschen Angst haben, die bei uns Schutz suchen.

Galt dieses Land lange als das Land der Dichter und Denker - nun, gedichtet wird in der Tat gerade sehr viel.
Zeit, das Denken zu reaktivieren.

MenschDenkMal - zeigen wir, das wir aus dem Gestern lernen können.
      

 


Hamburg im September
12.09.2015
Treffpunkt Glinde
Bushaltestelle Glinder Markt
8³° Uhr
  
Demoaufruf vom
Hamburger Bündnis gegen Rechts

14.000 - die Hamburger Zivilgesellschaft hat heute, am 12.09. nicht nur ein großartiges Zeichen gesetzt. Es wurde auch verhindert, dass Neonazis und gewaltbereite Hooligans - trotz Verbot zahlreich angereist - durch die Stadt marschieren. Sowohl im Hauptbahnhof wie auch am ZOB bildeten sich sofort Kessel um angereiste Neonazis und Hooligans.
Keinen Meter - heut nicht, morgen nicht, nie wieder - Danke Hamburg!

Hintergrund:
Für den 12.09.2015 rufen Hamburger Neonazi-Hooligans nach dem Vorbild der PEGIDA-Bewegung zum "Tag der deutschen Patrioten" auf.
Das Motto "Gemeinsam sind wir stark" ist bekannt aus Köln und Hannover, dort haben gewalttätige Neonazi-Hooligans im vergangenen Jahr randaliert.
Mehrere Mobilisierungsversuche der Szene in Hamburg Märsche durchzuführen scheiterten bereits im Vorwege durch interne Querelen.
Nun aber wird bereits bundesweit mobilisiert durch organisierte Neonazis, Personen der Hamburger AfD bis hin zu Burschenschaftern und freien Kameradschaften.
Die Gästeliste weist Namen auf wie die Ex-AfDlerin und aktuelle Pegida-Sprecherin Tatjana Festerling, die bekannten Islamhasser Michael Stürzenberger und Akif Pirinci, den Hamburger NPD-Spitzenkandidat Lennart Schwarzbach, den Hamburger NPD-Strippenzieher Jan-Steffen Holthusen und das ehemalige Bundesvorstandsmitglied der Partei, Matthias Faust.

„Dass rechte Hooligans wie Thorsten de Vries ihre rassistische Hetze in Hamburg auf die Straße bringen wollen, müssen alle demokratischen, antifaschistischen und antirassistischen Kräfte gemeinsam verhindern“, sagt Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts. "Hier wollen die üblichen Verdächtigen vom Neonazi bis zum bürgerlichen Pegida-Rassisten ihre braune Suppe auf der verfehlten Einwanderungspolitik Deutschlands und der EU kochen.
Die Abschottung der Grenzen, der Kampf mit Kriegsschiffen gegen Flüchtlingsboote und der Ruf nach schnelleren Abschiebungen ermuntert das braune Pack erst, die Sache selbst in die Hand nehmen zu wollen. Wir setzten uns hingegen für eine offene und solidarische Gesellschaft für alle Menschen ein."


Lesung im Wohnzimmer
Montag, den 13.07.2015; 19°° Uhr
Glinder Marktplatz
Martin Habersaat las aus
- dem Buch "Amon..." von Jennifer Teege
- "Skandale in Schleswig-Holstein (Beiträge zum Geschichtswettbewerb des Bundepräsidenten)
- "Drei Kameraden" (Spiegel-Artikel zum Auftritt von Karl Dönitz am Gymnasium Geesthacht 1963)
Bei Fingerfood, gutem Wein, klarem Wasser und sommerlichen Temperaturen anregende Texte und gute Gespräche genießen.
Sommerliche Temperaturen waren ein guter Wunsch, doch immerhin war der Regen warm und Punkt 19°° Uhr schloss der Himmel seine Schleusen. Martin Habersaat konnte in seinem Wohnzimmer Platz nehmen. Und auch das Publikum saß im Trockenen.
Gut gewählte Passagen aus "Amon" gaben einen umfassenden Überblick über Jennifer Teeges Familiensituation und ihren Weg vom Erkennen zurück ins Leben.
Anhand der Beispiele Werner Heyde und Kurt Borm führte Habersaat aus, wie einfach es gelang nach begangenen NS-Verbrechen wieder in die Gesellschaft einzutauchen und ein Leben in Achtung und Ansehen zu führen - trotz Enttarnung.
Mit einem Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1963 schloss er die Lesung. "3 Kameraden" bezieht sich auf eine Schulveranstaltung in Geesthacht mit dem verurteilten Kriegsverbrecher Dönitz, die erst im Nachhinein für internationale Kritik sorgte.
Der Abend klang aus mit gutem Wein, klarem Wasser und guten Gesprächen. Und trockenen Füßen.
Wir danken allen Beteiligten sehr.

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Skandale Schleswig-Holstein Cover
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Tore für Toleranz
Am 20. Juni 2015 war es wieder soweit:
12 Mannschaften - ein Ziel!
Das Runde muß ins Eckige.

Pünktlich um 14.00 Uhr startete das Tore für Toleranz Turnier auf dem Glinder Sportplatz. Insgesamt 11 Mannschaften aus Hamburg, Brandenburg, Wentorf, Oststeinbek und Glinde kickten gegeneinander um den Wanderpokal für Demokratie und Toleranz.

International besetzt waren die Mannschaften „Gäste Glinde“ und „Wentorf International“, sie setzten sich aus Flüchtlingen aus den unterschiedlichsten Ländern zusammen. Ihre Beteiligung ist nicht hoch genug einzuschätzen, da alle Spieler sich am Ramadan beteiligten und mit leeren Magen auf dem Platz standen.

Die Entscheidung fiel in einem spannenden Finale im Neunmeterschießen zwischen den Mannschaften „First Contact 1“ und dem „TSV Glinde“, der TSV Glinde konnte sich dann als Sieger durchsetzen und Turnierleiter Peter Nilsson übergab sichtlich stolz den Pokal an die Heimmannschaft. Damit war klar, dass das Turnier auch 2016 wieder stattfinden wird.

Der Verkaufserlös der Speisen und Getränke geht zu gleichen Teilen an die Vereine, die in Glinde, Reinbek und Oststeinbek Flüchtlinge unterstützen.

  

Alle Fotos: Copyright by Denise Ariaane Funke
   

Kreis Stormarn liest ein Buch
In Stormarn ging zum zweiten Mal ein kreisweites Literaturprojekt an den Start:
Der Kreis Stormarn liest ein Buch. Im Frühjahr 2015 war ganz Stormarn aufgerufen, sich in drei Wochen mit einem bestimmten Buch auseinanderzusetzen.
In diversen Veranstaltungen, wie Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und noch vielem mehr begegnete einem Literatur vom 27.April bis zum 17.Mai 2015 unkompliziert im Alltag.

Nähere Informationen erhalten Sie unter
www.kreis-stormarn.de.

Wir freuen uns sehr über die Nominierung zum Lesepaten des Buches "Amon - mein Großvater hätte mich erschossen" von Jennifer Teege/ Nikola Sellmaier.
Ein bemerkenswertes Buch über die zerstörerische Kraft von Familiengeheimnissen und die Auswirkung des Nationalsozialismus und seiner Menschenverachtung auf die zweite, dritte und vierte Generation.
Die prominenten Vorleser für „Stormarn liest“ (v. l.): Annika Leske (W. u. T.), Sigrid Kuhlwein, Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses, Tourismusmanagerin Rabea Stahl, Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer, Landrat Klaus Plöger und Rowohlt-Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff.  Buchcover "Amon"
Foto: LN Albrod     


Vom Gestern ins Heute
9.05.2015
ab 19°° Uhr
Glinder Marktplatz
Nähere Informationen über den Abend:
Stormarn kulturell
Eine Veranstaltung im Rahmen des "Kreis Stormarn liest ein Buch" Projektes
Eine literarische Reise beginnend bei der Bücherverbrennung 1933 bis ins Hier und Jetzt.

Sie hörten bekannte Stimmen und erlebten einen außergewöhnlichen Veranstaltungsort.
Ihre Reisebegleiter waren:
Rike Schmid -
kennen viele an der Seite von Maximilian Schell aus der ZDF-Serie DER FÜRST UND DAS
MÄDCHEN. Damit begann ihre Schauspielkarriere, direkt nach dem Abitur. Es folgten mittlerweile mehr als 40 Film- und TV-Produktionen; sie spielte etliche weibliche Hauptrollen, war neben dem indischen Superstar Shah Rukh Khan zu sehen – und wird demnächst, am 30. April wieder in einem ZDF-Film mit dem Titel „Bloß kein Stress“ ausgestrahlt“, zur besten Sendezeit (ein Film übrigens, der hauptsächlich in Glinde gedreht worden ist).
Rike Schmid schrieb sich neben ihrer Arbeit als Schauspielerin an der Freien Universität in Berlin ein. Seit März liegt das zweite Buch der Soziologin und Schauspielerin vor, NIMM MICH MIT NACH GESTERN. Es ist die Aufzeichnung eines langen Briefwechsels, den sie mit der mittlerweile 90jährigen, in Flensburg geborenen Renate Delfs führt, eine der ältesten, noch immer aktiven Schauspielerinnen Deutschlands.
Die beiden lernten sich 1999 kennen, bei den Dreharbeiten zu der Serie AUS GUTEM HAUS.
Es entstand eine bis heute anhaltende Freundschaft, die auch vor „ernsten Themen“ nicht
zurückschreckt. Der intensive Generationendialog über den Nationalsozialismus führt weit
über die Zeit des NS hinaus. Denn immer wieder fragen sich die beiden, die ein Altersunterschied
von 55 Jahren trennt: Wie führe ich in meiner Gegenwart ein bewusstes Leben?
Jantje Billker -
Engagements u. a. beim Hamburger Jedermann, Thalia Theater
Hamburg,Winterhuder Fährhaus, in Lübeck sowie diverse Rollen
in Fernseh- und Kurzfilmproduktionen. Sprecherin in Lesungen und Synchron.