Thor Steinar in Glinde - ein Resümee

Am 16. September 2011 öffnete - sprichwörtlich über Nacht - ein Modegeschäft, das ausschießlich Ware der Marke "Thor Steinar" verkauft.
Natürlich spricht zunächst einmal nichts gegen die Eröffnung eines Ladens.
Im Gegenteil: Gewerbesteuereinnahmen kann die Stadt gut gebrauchen, eine Belebung der, mit Verlaub, eher ungünstig gelegenen Ladenzeile Glinder Berg ist wünschenswert und Glinde ist bisher nicht bekannt als Modehauptstadt.
Nun handelt es sich hierbei aber um sehr deutlich politisch aufgeladene Kleidung (näheres hierzu unter
investigatethorsteinar).

Und so bildeten sich rasch Bündnisse, die eben genau darauf aufmerksam machten. Jugendliche, Rentner und alles dazwischen, Kirchen, Vereine und sämtliche Parteien fanden zusammen.
Nicht zuletzt wehrte sich auch der Vermieter. Leider erfolglos, dennoch mit Repressalien und Druck von vielen Seiten.

Beschränkte sich der Protest anfangs stark auf den Laden, wurde doch im Laufe der Zeit klar, dass dieses Geschäft vielmehr ein Symptom ist.
Die Ursachen liegen tiefer: klischeebehaftete Sozialisierung, Banalisierung von institutionellen Rassismus, Relativierung rechtsextremistischer Übergriffe, eine Mentalität des Wegsehens - eine endlos lange Folge von Dingen, die überall geschehen und uns täglich begegnen.

Und so entwickelten sich Projekte auch jenseits des Glinder Bergs.
Die Historie des Lagers Wiesenfeld wurde von Schülern und der neu gegründeten Geschichtswerkstatt aufgearbeitet, es entstanden vom Protest unabhängig neue Begegnungsorte, Grundschulen bauten vermehrt Themen wie Miteinander, Heimat, Ausgrenzung fachübergreifend ein, Feste der Kulturen wurden organisiert, Statements von diversen Vereinigungen für mehr Gemeinsamkeit veröffentlicht und und und...

Die Stadt geriet in Bewegung. Eine Bewegung die anhält und verändert hat.
Die Menschen stehen auf, zu den unterschiedlichsten Themen, die ein Zusammenleben so bereit hält.
Ja, nicht mit allen geht man konform.
Dennoch, sie bewegen sich und verstehen sich, als das was wir alle sind: ein Teil unserer Gesellschaft.
Glinde hat gewonnen.